Mein therapeutischer Ansatz

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit habe ich auf die Verwendung maskuliner und femininer Formen verzichtet. Ich benutze die weibliche Form und bitte vor allem die Männer hierfür um ihr Verständnis und hoffe, sie fühlen sich trotzdem angesprochen.

1990 kam ich im Rahmen meiner Ausbildung zur Sozialtherapeutin zum ersten Mal mit der Gestalttherapie in Berührung. An ihr faszinierten mich besonders die Grundgedanken der Wertfreiheit, des Kontakts und der Selbstverantwortung.
In meiner anschließenden Gestalteigentherapie konnte ich entdecken, wie ich wirklich bin und wurde dafür nicht bewertet, sondern mein Therapeut begegnete mir mit Achtung. Besonders wichtig für mich war, dass mir weder als Klientin, noch während meiner Ausbildung zur Gestalttherapeutin nicht ein einziges Mal meine Selbstverantwortung abgesprochen wurde; im Gegenteil sie wurde gefördert. Ich behielt mein Recht auf eigene Entscheidungen und wurde in meinem persönlichen Wachstumsprozess liebevoll unterstützt.
Gestalttherapie ist mittlerweile zu meiner Grundhaltung dem Leben gegenüber geworden. Sie unterstützt mich dabei, mich so anzunehmen, wie ich bin. Sie ermöglicht mir eine zufriedene Lebenseinstellung und lässt mich leichter durch das Leben gehen.

Gestalttherapie begreife ich als kreative Zusammenarbeit zwischen der Klientin und mir. Mir ist es wichtig, in einer offenen, wohlwollenden, nicht wertenden Haltung für die Klientin als Gegenüber präsent zu sein. Ich versuche, die Klientin möglichst ganzheitlich wahrzunehmen und achte gleichzeitig auf mein inneres Erleben. Ich möchte als Therapeutin berührbar bleiben.
Meine Aussagen, Wahrnehmungen und Resonanzen fasse ich als Vorschläge auf, die die Klientin mit ihrem Erleben abgleicht.

In der Qualität unseres Kontakts sehe ich ein bedeutsames Fundament der therapeutischen Arbeit. An aufkommenden Schwierigkeiten und Kontaktstörungen spiegelt sich wieder, was sonst im Leben der Klientin und deren Beziehungen auch zum Tragen kommt. Diese Störungen, Blockierungen und Widerstände gilt es als Problemlösungsversuche der Klientin zu würdigen. Sie stellen wertvolles Therapiematerial dar, mit dem wir unmittelbar arbeiten können und dienen als Wegweiser für den weiteren Therapieverlauf.

Eine wesentliche Frage der Therapie ist, wie sich die Klientin daran hindert, zufrieden zu leben und sich ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Hinuntergeschluckte Gefühle, unabgeschlossene Situationen, Verdrängungen und Vermeidungen, Selbstvorwürfe, Schuldgefühle und uneingestandene Sehnsüchte arbeiten unbewusst in uns und machen uns krank. Wenn wir uns ein Bedürfnis nicht eingestehen, wird es versuchen, sich auf versteckte Weise, Gehör zu verschaffen, z. B. über Krankheiten. Durch die Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit ihrer Gefühle kann die Klientin lernen, ihren Gefühlen zu trauen und erlangt dadurch innere Sicherheit.
Im zweiten Schritt lernt sie, ihre Gefühle hinreichend auszudrücken. Sie spürt zunehmend mehr ihre Grenzen, nimmt diese ernst und wird konfliktfähig. Sie erfährt, es sich selbst wert zu sein, anderen gegenüber ein „nein“ zu setzen. So bedeutet ein „Ja“ jemand anderen gegenüber oft ein „nein“ sich selbst gegenüber.
Die Klientin erfährt, dass zu einem befriedigenden Kontaktverhalten Rückzugsphasen genauso gehören wie Phasen, in denen sie sich im Austausch mit anderen befindet.
Sie wird einen liebevollen Umgang mit sich selbst erlernen und einüben, diesen auch langfristig beibehalten zu können.

Wir alle werden auch durch Gestalttherapie nicht perfekt. Wir bleiben Menschen und zum Menschsein gehört es, Fehler zu machen, um aus ihnen zu lernen. Selbst jene alten Verhaltensmuster, unter denen wir leiden, sind uns vertraut und bieten uns deshalb Sicherheit. Neue Wege bergen Risiken und Gefahren. In der Therapie erfährt die Klientin, dass es sich lohnt , sich von überholten Verhaltensweisen zu verabschieden und Neues auszuprobieren und die Verantwortung für das eigene Denken, Fühlen und Handeln zu übernehmen.

Ich bin dankbar dafür, dass ich in meiner therapeutischen Arbeit Menschen auf ihrem ganz persönlichen Weg begleiten und unterstützen kann. Es berührt mich immer wieder aufs Neue, miterleben zu dürfen, wenn Klienten einen für sie bedeutsamen Entwicklungsschritt machen.